Wie sollten wir mit der AfD umgehen?

Einige Gedanken zum Protest gegen die Campus-Alternative in Magdeburg

AfD-Landeschef André Poggenburg will bei einer Veranstaltung der Campus-Alternative an der Universität Magdeburg sprechen. Studierende blockieren den Hörsaal, es kommt zu Ausschreitungen. Die Polizei rückt mit 30 bis 40 Einsatzkräften ein. Die Veranstaltung muss abgebrochen werden.

Ich glaube, dass sich die Studierenden im Recht sehen und ihren Protest als einen Beitrag zu einer guten Sache. Beides ist falsch. Eine angemeldete und genehmigte Veranstaltung der AfD an einer Universität zu blockieren, ist Ausdruck einer anti-demokratischen Gesinnung. Außerdem ist es ziemlich dumm!

Ein solcher Protest ist anti-demokratisch…

Unsere Demokratie gibt jedem das Recht, eine Meinung zu haben und diese auch zu äußern. Das gilt insbesondere für diejenigen, die unpopuläre Ansichten haben. Ausnahmen von dieser Regel gibt es nur in begründeten Einzelfällen, z.B. beim Tatbestand der Volksverhetzung. (Letzteres ist dann ein Fall für die Staatsanwaltschaft.) Die Veranstaltung der AfD fällt aber nicht in diese Kategorie. Hier sollte über Gender-Politik gesprochen werden, und zu der darf man in einem demokratischen Gemeinwesen eine kritische Haltung haben. Wer eine solche Veranstaltung stört, weil die Partei angeblich den Grundsätzen einer humanen, mitmenschlichen und demokratischen Gesellschaft widerspricht, versündigt sich selbst an eben diesen Grundsätzen.

… und dumm!

Außerdem sollte man bedenken, welcher Eindruck hier in der Öffentlichkeit entsteht. Wir hören von dieser Veranstaltung nur aufgrund der Proteste. Das ist kostenlose Werbung für die AfD, deren Narrativ auf diese Weise gestärkt wird. Eine solche Blockadehaltung ist also auch hochgradig kontraproduktiv. Sie schafft Publicity für die AfD und macht potenzielle Unterstützer auf die Partei aufmerksam. Dass die Veranstaltung abgesagt wurde, mag den Studierenden als Erfolg erscheinen. Tatsächlich ist sie ein Pyrrhussieg!

Versucht es mit gesundem Menschenverstand!

Viele der Thesen der AfD lehne ich entschieden ab. Mitmenschen, die sich dagegen einsetzen, haben meine Sympathie und meine Unterstützung. Das gilt allerdings nur, wenn sie dabei den gesunden Menschenverstand nicht über Bord werfen. Deswegen habe ich drei Bitten an Studierende, die sich künftig gegen die AfD einsetzen wollen:

  1. Lasst die anderen reden!

Veranstaltungen wie die der AfD in Magdeburg sollte niemand stören, und man sollte auch niemanden davon abhalten, solche Veranstaltungen zu besuchen. AfD-Vertreter haben ein verfassungsmäßiges Recht, ihre Ansichten öffentlich zu äußern. Wenn sie das im Rahmen einer universitären Veranstaltung tun wollen und diese Veranstaltung genehmigt wurde, dann dürfen sie das auch. Wer ihnen zuhören will, hat ebenfalls das Recht, ihnen zuzuhören. Also lasst die AfD bitte reden!

  1. Stellt klar, dass und warum Ihr anderer Meinung seid!

Das bedeutet nicht, dass Ihr nichts gegen solche Veranstaltungen unternehmen könnt. Wer der AfD widerspricht, sollte das zum Ausdruck bringen. Man könnte etwa eine Gegenveranstaltung organisieren. Oder – besser noch – man könnte sich an der AfD-Veranstaltung beteiligen und unangenehme Fragen stellen. Damit lassen sich wahrscheinlich die AfD-Vertreter nicht überzeugen. Aber wer gute Argumente hat, der kann sie in der Öffentlichkeit bloßstellen! Und das ist viel effektiver und nachhaltiger als jeder Protest!

  1. Bleibt glaubwürdig!

Wer sich mit der AfD auseinandersetzt, der sollte nicht den Fehler machen, alles, was ihre Vertreter sagen, von vornherein zu verteufeln. Man sollte sich erklären lassen, was die Positionen sind und welche Argumente dafür sprechen. Hört gut zu, seid kritisch, und macht klar, worin Ihr anderer Meinung seid! Und besonders wichtig: Gebt der AfD Recht, wenn sie Recht hat. Nicht alles, was AfD-Vertreter sagen, ist notwendigerweise falsch. Das solltet Ihr anerkennen. Nur dann ist auch Eure Kritik glaubwürdig!

Nach der aktuellen Forsa-Umfrage (Stand 11.1.) steht die AfD bundesweit bei 12%, wäre also nach aktuellem Stand locker im Bundestag vertreten. Lasst uns daran arbeiten, dass diese Zahl kleiner wird – mit guten Argumenten und gesundem Menschenverstand!